#95, Pressekonferenz zur Bundesliga– ZAT 2
Speedy Gonzales, Colonia
Die Sonne scheint noch heller, und das Wasser tut das, was es immer tut, wenn es heiß drum herum ist: es sucht sich mühevoll den Weg durch das Rheinbett. Jenes, von der Sonne ausgetrocknet, präsentiert sich inselhaft, kiesig, mit schmaler Fahrrinne und teilweise schwer definierbarem Müll darin, der mit jedem Zentimeter fallenden Wasserstandes zum Vorschein kommt. Doch das kümmert Gonzales wenig – alles zu seiner Zeit, denn er sinniert in seiner Hängematte über ein anderes Projekt: seinen in der vorigen Woche gegründeten Profifußballverein.
Bei einem Glas Kölsch in der Pranke (Alt bekommt ihm scheinbar nicht nur nicht, sondern es führt zudem noch zu Fehleinschätzungen des Gegners und erzeugt die Wahnvorstellung, Peru würde in auswegloser Situation die Auswärts-7 ziehen, Anm. d. Red.), entspannt zwischen zwei Bäumen hängend, kann er es noch immer nicht fassen, dass er weder den Ersten Fußballclub Köln noch den Fußballclub Viktoria Köln gründen und für die Pbem-Bundesliga anmelden durfte. Der Wächterrat nahe des Amtsgerichts Köln hat es ihm untersagt. Aus rechtlichen Gründen, so hieß es zwischen den Zeilen. Vielleicht wäre es besser gewesen an dem Wegweiser links abzubiegen, also statt beim Wächterrat eher beim Amtsgericht vorzusprechen und einen Amateurverein zu gründen. Aber das wollte Gonzales nicht, er macht keine halben Sachen. Er muss nun dazu stehen.
Club Deportivo Ratones de Colonia geht ja noch: Colonia, hier in Europa seine Wahlheimatstadt, kommt im Vereinsnamen vor, ein Wappentier auch, nämlich er selbst, und nach Sport klingt das auch. Was will Gonzales mehr? Erkenntnis? Es kommt ihm spanisch, äh, naturalmente mexikanisch vor, dass sich dieser sogenannte Wächterrat unnachgiebig gezeigt hat….
Woraus besteht eigentlich dieser Wächterrat? Wer hat ihn ernannt, welche Aufgaben hat er, und von wem wird er bezahlt? Und welche Folgen kann das bis in den Alltag hinein haben? Und abschließend: Gibt es für dieses Dilemma eine pragmatische Lösung? Diese Fragen beschäftigen Gonzales gerade, und zwar genau in dieser Reihenfolge.
Vermutlich wird dieser Wächterrat, in den zumindest schon einmal ein Türwächter berufen wurde, das war dieser Herr mit der langen Nase, den Gonzales kennen lernte – und wie schon ein Sprichwort besagt, haben lange Nasen kurze Beine (oder waren es lange Nasen, die kurze Schwänze haben? Egal jetzt, Exkurs Ende, Anm. d. Red.) –, im wesentlichen aus Juristen bestehen müssen. Pragmatiker können es nicht sein, nach DER Erfahrung aus der vergangenen Woche MUSS es sich ausschließlich um Juristen handeln.
Ernannt wird der Wächterrat wohl sein von einem übergeordneten Verband, der DFL, einer Organisation ohne Augenmaß und fehlendem juristischen Verstand. Denn wie schon mal ein schlauer Professor an einer Kölner Hochschule lehrte, „Jurist wird man nicht, den Juristen hält man sich“, so vollzog es wohl auch dieser Verband, als er den Wächterrat berief. Und zwar mit dem Auftrag über die juristischen Dinge zu wachen. Und genau das tut dieser, ebenfalls ohne Augenmaß, dafür aber mit Gier und dem nicht verhandelbaren Ziel Markenrechte durchzusetzen – kurzsichtig, unsozial, unverhältnismäßig, eben ohne Pragmatismus.
Und wer die Rechnung bezahlt, der macht Recht, so könnte man meinen. Rechtliche Dinge durchzusetzen, dafür wird dieser Wächterrat bezahlt, werden mit allen Mitteln verfolgt, die zu Verfügung stehen. Und nach jeder erfolgreichen Abmahnung gibt’s Geld, viel Geld. In wirtschaftlichen Kreisen wird in diesem Zusammenhang von Provision gesprochen, in juristischen Kreisen von Beuteanteil.
Und wohin kann das führen? Darf beispielsweise ein kostenloses, völlig werbefreies Pbem reale Bundesliganamen führen? Die Antwort des Wächterrates lautet unmissverständlich NEIN. In Wirtschaftskreisen würde man von geschicktem Marketing sprechen, in juristischen Kreisen von evidenter Markenrechtsverletzung. Und wie sähe das daheim aus? Wenn auf dem heimischen Subbuteo-Feld im Kreise von begeisterten Freunden eine Fußballsaison simuliert wird und Realnamen aufeinandertreffen? In Wirtschaftskreisen würde so etwas begrüßt und mit Schneeballprinzip nach geschickter Marketingmaßnahme erklärt werden, in juristischen Kreisen würde das als latente Markenrechtsverletzung einklagbar sein.
Und, mal streng zu Ende gedacht, welche Folgen hätte das beispielsweise für Kinder auf dem Bolzplatz? Sie kicken unbeschwert mit dem Ball, das eine Kind ruft voller Begeisterung „Ich bin Reus“, das andere erwidert „Dann bin ich Ronaldo!“ Sie, bzw. die ahnungslosen Erziehungsberechtigten so lange wie die Kurzen noch nicht strafmündig sind, könnten dafür rechtlich belangt werden, denn nicht nur Vereine, auch deren Spieler haben Rechte an ihrer eigenen Marke, die sie einklagen könnten, sofern sie denn einen aufmerksamen und beutegeilen Wächterrat beschäftigten. Ein Wahnsinn! Ein Fass ohne Boden ….
Die Lösung aus dem Dilemma ist dennoch einfach. Dem Wächterrat Weisheit zu verleihen ist schwer, denn für Weisheit gibt es vom Mandanten keinen Beuteanteil, diesem aber die juristische Grundlage zu entziehen, ist einfacher: Und so stehen sich auf dem heimischen Subbuteo-Feld nicht mehr FC Schalke 04 gegen Bor. Dortmund gegenüber, sondern Sprach- gegen Denkfehler, beispielsweise FC Schnalle 04 gegen Po Hiernase. Und auf dem Bolzplatz laufen eben Beuys und Pofalte herum ….
Aus dieser Erkenntnis können auch Pbems und ihre Mitspieler lernen, und sie lernen schnell, wie man sehen kann ….