Kicker
In der Liga-Zeitung berichten Trainer über Aufstieg und Niedergang ihres Vereins und verdienen sich so pro ZAT ab 80 Worten 0,3 Punkte TK-Bonus. Ab 120 Worten sogar 0,4!
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Sehr zufrieden mit Platz 4
| ZAT 12, Christian für SV Werder Bremen am 14.12.2025, 11:56 | |
Der 11. ZAT ist Geschichte und für den SV Werder Bremen fällt das Saisonfazit durchweg positiv aus. In den letzten vier Spielen zeigte sich das Team in guter Form und sicherte sich am Ende mit Platz 4 einen starken Rang in der Abschlusstabelle – verbunden mit der Qualifikation für die Champions League. Ein Ergebnis, das vor der Saison nicht selbstverständlich war.
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| 278 Wörter. (Artikel wird mit 0,4 TK honoriert) | |
St. Pauli verzaubert die Bundesliga! Alle erwarten den Sieg der Kiezkicker!
| ZAT 11, Torsuchti für FC St. Pauli am 12.12.2025, 19:18 | |
SamiNo hat sich zu früh gefreut. Es gibt sehr wohl einen der "epische[n] Romane aus dem Oberstübchen von St. Pauli“. In der Sonderausgabe des Kicker-Magazins nämlich, für die wir die Druckerei fürstlich, nein, kaiserlich bezahlt haben. Auf dem Titelblatt steht: „St. Pauli verzaubert die Bundesliga! Alle erwarten den Sieg der Kiezkicker!“. Als Extra gibt es ein Interview mit Kaiser Torsuchtihito. Im Gewinnspiel kann man Würstchen und Bier gewinnen. Im Ratgeberteil steht der Artikel „So gelingt es Ihnen, nicht für einen Frankfurter Floh gehalten zu werden“.
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| 262 Wörter. (Artikel wird mit 0,4 TK honoriert) | |
17013
| ZAT 11, SamiNo für Eintracht Frankfurt am 12.12.2025, 10:36 | |
Der Regen hatte aufgehört, aber der Riederwald fühlte sich an wie dieser Moment im Flugzeug, wenn die Anschnallzeichen ausgehen, aber alle wissen: Wir sind noch lange nicht da. Der 10. ZAT war durch, die Tabelle hing wie eine schlecht ausgerichtete Wasserwaage schief: Bayern oben, St. Pauli knapp dahinter, Augsburg im Schlepptau und mittendrin Eintracht Frankfurt. Ein Punkt hinter dem Podium, drei vor dem sportlichen Burn-out. Vier Spiele, vier Möglichkeiten: Absturz, Stillstand, Durchmarsch oder irgendwas dazwischen, das später „entwicklungstechnisch wertvoll“ genannt wird. SamiNo blätterte den Kicker durch, als suche er eine bestimmte Seite, von der ihm jemand versprochen hatte, sie sei garantiert drin. Titelstory Bayern, Analyse Augsburg, irgendwo eine Randnotiz über Kiel. Aber da, wo sonst epische Romane aus dem Oberstübchen von St. Pauli standen, gähnte: nichts. „Krass“, murmelte er. „Die haben die Druckerei nicht bezahlt.“ JP kam mit zwei Kaffeebechern rein, beides ohne Deckel, als wollte er dem Schicksal wenigstens eine Chance geben. „Was ist los? Keine Lehrstunde vom Kiez heute?“ „Nichts“, sagte SamiNo und hielt ihm die leere Kicker-Spalte hin. „Gar nichts. Kein ‚Wir regieren das Torrausch-Universum‘, kein ‚alle anderen Vereine sind nur Statisten in unserer Ich-Mal-Sie-Mir-Wie-Sie-Mir-Gefällt-Welt‘. Funkstille.“ JP beugte sich vor, als müsste er sicher gehen, dass es kein unsichtbarer Spezialdruck sei. „Vielleicht ist es so weit“, meinte er. „Vielleicht hat jemand in Hamburg festgestellt, dass man Tabellenplätze nicht mit Adjektiven boosten kann.“ „Oder er schreibt an einem Mehrteiler“, überlegte SamiNo. „Finale Trilogie, zwölf Kapitel, so was.“ „Wenn er noch lange schweigt, muss ich mir meine Beleidigungen selber ausdenken“, seufzte JP gespielt tragisch. „Das ist viel Arbeit.“ SamiNo klappte den Kicker zu. „Dafür haben andere die Feder geschwungen.“ Er zeigte auf einen Ausdruck auf dem Tisch. „Kiel.“ JP griff zu, las die Überschrift, räusperte sich und wechselte in den Modus zwischen Poetry-Slam und Mannschaftssitzung. „‚Berlin, Berlin… wir fahren nach Berlin‘“, begann er. „Riesige Stimmung, riesige Freude, keiner hatte damit gerechnet. Sie wollten nur spielen, ab und zu gewinnen, und jetzt dürfen sie mit uns ins Finale tanzen.“ „Immerhin ehrlich“, kommentierte SamiNo. JP las weiter: Eintracht als ‚kein unbeschriebenes Blatt‘, als Klub mit Ansehen, Fans in aller Welt, Kiel als Underdog mit Mut, Störche mit Brust und Bus. Es klang nach ehrlicher Vorfreude und sanfter Selbstverzauberung. Kein Gift, kein Gekreische, kein Zoologie-Seminar. „Man muss sagen“, meinte JP, „der Mann kann schreiben, ohne jemanden mit Pestiziden zu drohen. Ist ungewohnt.“ „Und er glaubt an den Sieg“, sagte SamiNo. „Das sollte er auch. Sonst hätten wir ein Problem.“ „Na ja“, JP zuckte mit den Schultern, „die Störche rechnen vielleicht nicht mit der Tatsache, dass wir nach dieser Saison nicht nur Taktiktafeln, sondern auch gewisse Rechnungen offen haben. Liga, Pokal, Ehre. Einmal alles, bitte.“ Sie schwiegen einen Moment. Durch das Fenster sah man ein paar Spieler über den Platz trotten, regeneratives Laufen – dieser euphemistische Begriff für „Wir sind alle platt, aber tun so, als wäre es geplant“. „Vier Spiele in der Liga“, zählte SamiNo leise. „Ein Finale in Berlin. Das ist entweder das Kapitel, nach dem alle sagen: ‚Ihr seid wahnsinnig‘, oder das, nach dem alle so tun, als hätten sie immer an uns geglaubt.“ „Du weißt schon“, sagte JP, „dass ab jetzt jeder Trainer in der Liga versucht, aus jedem deiner Sätze die TK-Verteilung rauszulesen. Wenn du in einem Interview hustest, schreibt irgendwo einer: ‚Aha, Auswärtsrisiko‘.“ „Genau deshalb brauchen wir Nebel“, sagte SamiNo. „Kein Rauch, das hatten wir schon genug, aber Nebel. Alle sollen sich sicher sein, dass sie wissen, was wir tun und trotzdem falsch liegen.“ JP grinste schief. „Dann ist es Zeit für den Plan.“ Der Plan begann mit einer Pinnwand. Nicht irgendeiner Pinnwand, sondern einem absurd überfüllten Ungetüm aus Kork, das JP aus einem Lagerraum gezogen hatte. Sie stellten sie mitten in den Besprechungsraum, klebten eine Deutschlandkarte drauf und steckten bunte Fäden, Klammern, Fotos, ausgedruckte Heatmaps, Horoskope der Spieler, Screenshots von Kieler Fangesängen und einen Ausdruck der Tabelle drumherum. Wer die Wand sah, konnte nur zwei Schlüsse ziehen: Entweder Frankfurt hatte einen genialen Masterplan oder man hatte im Riederwald einen Escape Room eröffnet. „Das ist für die Kameras“, erklärte SamiNo. „Jeder, der hier reinschaut, soll denken, wir hätten die Weltformel in der Hand. In Wahrheit wissen nicht mal wir, was diese grüne Schnur soll.“ „Die grüne Schnur ist Dortmund“, improvisierte JP. „Oder der Kaffeeautomat. Ich bin mir noch unsicher.“ Daneben stellten sie einen Flipchart, auf dem groß „STRATEGIE – NICHT FOTOGRAFIEREN“ stand. Darunter kritzelten sie in sekundenschnelle unleserliche Pfeile, Zahlen und ein großes Fragezeichen. „Wenn jetzt jemand durch den Türspalt filmt“, sagte JP, „posten sie das als ‚insider leak‘. Und während sie versuchen zu entschlüsseln, was ‚Z=R²+TK/Chaos‘ bedeutet, überlegen wir in Ruhe, ob wir gegen Köln oder Leverkusen mutiger sind.“ Die echten Notizen, nüchterne, kleine Zahlenkolonnen, Stärken-Schwächen-Listen, Rest-TK-Rechnung, landeten in einem unscheinbaren Collegeblock, der aussah wie das Matheheft eines mittelbegabten Schülers. Niemand hält so etwas für wertvoll, dachte SamiNo. Und genau das war der Punkt. Am Nachmittag stand „visualisierte Vorbereitung“ auf dem Plan. Offiziell. Die Mannschaft betrat den Video-Raum, sah den Beamer, sah die Pinnwand, sah JP, der mit einer Fernbedienung wedelte, als wolle er gleich eine Doku über Quantenfußball starten. „So, mes amis“, begann er. „Wir schauen jetzt keine Spielszenen. Die kennt ihr. Stattdessen zeige ich euch… Möglichkeiten.“ Auf der Leinwand erschien eine Excel-Tabelle. In der ersten Spalte standen die nächsten Gegner, in der zweiten, dritten und vierten Spalte drei Farben:Rot, Gelb, Blau. Keine Zahlen, keine Begriffe. „Rot heißt?“, fragte ein Spieler. „Kommt drauf an, wer zuguckt“, antwortete SamiNo. „Für euch heißt es: konzentriert. Für die Presse: Panik. Für die anderen Trainer: Rätsel.“ „Und Blau?“ „Blau heißt, wir machen nichts von dem, was ihr denkt, dass wir machen. Und Gelb heißt, ihr fragt besser nicht nach.“ Es folgte eine halbe Stunde, in der sie mit Farben, Symbolen und Codewörtern arbeiteten, die selbst einen Kryptologen an den Rand der Kündigung gebracht hätten. Die Spieler bekamen klare Anweisungen, aber in der Öffentlichkeit sah es aus, als hätte Frankfurt beschlossen, das letzte Saisonviertel in einer Mischung aus moderner Kunst und Mathe-Olympiade zu bestreiten. Später, als die Jungs weg waren, ließ JP sich in einen Stuhl fallen. „Glaubst du, das funktioniert?“ „Es funktioniert schon jetzt“, sagte SamiNo und zeigte ihm sein Handy. In einem Manager-Forum kursierte bereits ein verschwommenes Foto der Pinnwand, dazu 40 Kommentare, was das wohl über die TK-Verteilung verraten könnte. „Einer schreibt“, lachte JP, „die lila Pinnnadel bedeutet, dass wir gegen Kiel defensiv starten. Lila! Wir hatten gar keine lila Nadeln, oder?“ „Nein“, sagte SamiNo. „Das war ein Kaugummi.“ Als es draußen dunkel wurde, blieb für einen Moment alles stehen. Kein Kicker-Text, kein neues Gedicht aus Kiel, kein giftiger Kommentar von irgendwo... nur das Summen des Flutlichts und das Rascheln des Rasens, der morgen wieder leiden würde. „Weißt du“, sagte SamiNo leise, „ich mag das gerade. Dass in Hamburg niemand schreit, dass in Kiel jemand reimt, ohne zu protzen und dass wir hier sitzen und einfach… arbeiten.“ JP nickte. „Die anderen können sich Gedanken machen, ob wir mit fünf Stürmern oder ohne Torwart spielen. Wir wissen, dass am Ende keiner dieser Spekulationen entscheidet, sondern das, was in diesen vier Spielen passiert. Und in diesen letzten 120 Pokalminuten.“ „Und wenn es schiefgeht?“, fragte SamiNo. „Dann bist du der Trainer, der es mit Flipcharts, Horoskopen und bunt verknoteten Fäden versucht hat“, sagte JP. „Schlimmer als ein normaler Saisonabschluss ist das auch nicht.“ „Und wenn es klappt?“ JP grinste. „Dann erklären wir im Pokal-Interview, dass der Schlüssel zum Erfolg die grüne Schnur war. Und keiner weiß, was das bedeutet.“ Sie lachten beide. Dann standen sie auf, löschten das Licht und ließen Pinnwand, Flipchart und Gerüchte in der Dunkelheit zurück. Wie die Eintracht diesen letzten ZAT wirklich anging, würde niemand aus einem Foto, einer Schlagzeile oder einem Gedicht lesen können. Weder in Hamburg, noch in Kiel, noch sonst irgendwo. Die Antwort würde, wie immer, nicht im Kicker stehen. Sondern auf der Anzeigetafel.
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| 1592 Wörter. (Artikel wird mit 0,4 TK honoriert) | |
Die Schwaben müssen nochmal alles mobilisieren
| ZAT 11, Florian Kraus für VfB Stuttgart am 07.12.2025, 11:18 | |
Beim VfB Stuttgart liegen bewegte Wochen hinter Mannschaft und Trainerteam. Noch vor kurzem schien ein Platz in der oberen Tabellenhälfte fest im Blick, doch eine unglückliche Serie ließ die Schwaben vom fünften auf den zehnten Rang abrutschen. Ein Absturz, der schmerzt – vor allem, weil der VfB über weite Strecken der Saison konstant und stabil aufgetreten war. Nun gilt es, sich neu zu sortieren, denn die letzten vier Spiele entscheiden darüber, ob der erhoffte einstellige Tabellenplatz Wirklichkeit wird.
Auffällig ist, wie eng die Spiele zuletzt waren. Stuttgart präsentierte sich keineswegs hoffnungslos oder chancenlos, vielmehr fehlten am Ende oft nur Nuancen. Mal verhinderte ein unglücklicher Gegentreffer eine Punkteteilung, mal ließ die Mannschaft jene Konsequenz im Abschluss vermissen, die sie in der Hinrunde ausgezeichnet hatte. Genau diese Kleinigkeiten machen derzeit den Unterschied und haben den VfB in der Tabelle zurückgeworfen.
Doch innerhalb des Teams ist keineswegs Verunsicherung spürbar. Im Gegenteil: Trainer Florian Kraus setzt in dieser entscheidenden Phase auf Geschlossenheit, klare Ansagen und das Vertrauen in die eigenen Stärken. Immer wieder betont er intern, dass die Mannschaft über genügend Qualität verfügt, um den Trend zu stoppen und sich wieder nach oben zu arbeiten. Und tatsächlich: Die Moral stimmt, das Miteinander passt, und die Trainingsleistungen deuten darauf hin, dass der VfB noch lange nicht bereit ist, die Saison auslaufen zu lassen.
Die kommenden Begegnungen werden allerdings zu einem Charaktertest. Jeder Spieler weiß, dass nun die Momente zählen, in denen man über die Schmerzgrenze geht, in denen man Zweikämpfe entschlossener annimmt und in denen individuelle Fehler nicht mehr passieren dürfen. Nur wenn der VfB diese Intensität auf den Platz bringt, ist der einstellige Tabellenplatz realistisch.
Am Ende könnte es genau diese Druckphase sein, die den Ausschlag gibt. Der VfB Stuttgart steht vor vier richtungsweisenden Partien – und wenn die Schwaben das abrufen, was sie über weite Strecken der Saison gezeigt haben, ist die Rückkehr in den oberen Tabellenbereich alles andere als ausgeschlossen. Stuttgart hat es selbst in der Hand.
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| 516 Wörter. (Artikel wird mit 0,4 TK honoriert) | |
Zwischen Kampfgeist und Endspurt
| ZAT 11, Christian für SV Werder Bremen am 07.12.2025, 10:45 | |
Der vorletzte ZAT brachte für Werder Bremen zwei enorm wichtige Siege und hält den Traum von einer guten Abschlussplatzierung weiter am Leben. Besonders beeindruckend war der souveräne 4:1-Auswärtserfolg bei Holstein Kiel. Bremen nutzte die eigenen Chancen eiskalt und setzte ein klares Ausrufezeichen im Kampf um die oberen Tabellenregionen. Auch zuhause gegen Borussia Dortmund zeigte das Team Nervenstärke: Ein konzentrierter Auftritt, ein knappes, aber hochverdientes 1:0 – und damit ein weiterer Dreier gegen einen direkten Konkurrenten.
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| 247 Wörter. (Artikel wird mit 0,4 TK honoriert) | |
FC Augsburg unter Trainer Wasserlasser – vier Spieltage vor Schluss zwischen Traum und Trauma
| ZAT 11, Wasserlasser für FC Augsburg am 07.12.2025, 05:36 | |
Vier Spieltage vor dem Saisonende steht der FC Augsburg unter Trainer Wasserlasser auf dem dritten Tabellenplatz. Mit 52 Punkten, dicht gefolgt von Eintracht Frankfurt und einem breiten Verfolgerfeld, hat sich Augsburg eine ausgezeichnete Ausgangslage verschafft. Die Saison verläuft enger als in vielen Jahren zuvor, und gerade deshalb ist das Spektrum an möglichen Entwicklungen besonders groß.
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| 359 Wörter. (Artikel wird mit 0,4 TK honoriert) | |
16011
| ZAT 10, SamiNo für Eintracht Frankfurt am 06.12.2025, 16:52 | |
Die Saison 2025-3 der Bundesliga roch nach Finale, nach kaltem Rasen, warmem Druck und einem Titelkampf, den in Hamburg lange niemand mehr für möglich gehalten hatte. Der 9. ZAT war durch, nur noch ein paar Spieltage und die Tabelle spannte sich wie ein Seil über einem Abgrund: FC St. Pauli wieder auf Platz eins, die Eintracht drei Punkte dahinter, Augsburg und Bayern im Nacken. Während Klein Suchti und die Kollegen aus Augsburg weiter die Backen aufpumpten wie Luftballons kurz vorm Platzen, blieb man in Frankfurt erstaunlich ruhig. Man konnte das Wort „Meisterschaftskampf“ so langsam aussprechen, ohne dabei rot zu werden... aber ein solider Europapokalplatz bleibt das Ziel. Im Besprechungsraum am Riederwald flackerte die Tabelle an der Wand, daneben die DFB-Pokal-Grafik. Unter „Finale“ stand fett:Holstein Kiel – Eintracht Frankfurt. Darunter das Halbfinale, das nun Geschichte war: 1:1 am Millerntor, 2:1 in Frankfurt. Zwei Spiele, die eine Sache endgültig geklärt hatten: Wenn es um das direkte Duell ging, war die Eintracht der Kammerjäger, nicht St. Pauli. „Also“, begann JP und warf einen Blick auf den Bildschirm, „Bilanz aus SGE-Sicht gegen den großen FC St. Pauli, angeführt vom noch größeren Kaiser Torsuchtihito.“ Er zählte an den Fingern ab. „In der Liga: 5:0, 5:3. Im Pokal: 0:3, 4:1, 1:1, 2:1. Wenn das so weitergeht, kriegen wir irgendwann Bonusmeilen für jeden Kiez-Ausflug.“ SamiNo lehnte am Whiteboard und grinste. „Und das von einem Klub, der nun geschrieben hat: ‚Der FC St. Pauli grüßt triumphierend von oben. Die Flohkiste Eintracht Frankfurt wird währenddessen erfolgreich auf Distanz gehalten, damit dort endlich mal Ruhe im Karton ist.‘“ JP scrollte auf seinem Tablet durch einen dieser epischen Torsuchti-Monologe. „Vergiss nicht: ‚Kaiser Torsuchtihito blickt zufrieden nach unten. An seinem Fuße quengelt Sami, der Floh.‘ Und der Klassiker: ‚Unsere Gegner fürchten uns wie menschenfleischfressende Pflanzen. Wir sind nicht nur die beste Heimmannschaft, sondern die beste Mannschaft überhaupt.‘“ Er räusperte sich und setzte die „Kaiser-Stimme“ auf: „‚Auch im DFB-Pokal ist die einzige Grenze, die wir kennen, der Thron. Wer kann den FC St. Pauli noch aufhalten? Richtig: Niemand." JP muss vor Lachen eine kurze Pause einsetzten und Luft holen, dann weiter: "Torrausch-Deutschland wird vom Hamburger Kiez regiert. Unsere eigene Qualität sowie die Stärke unserer Gegner haben St. Pauli zum Verein aller Vereine gemacht.‘“ Ein Moment Stille. Dann lachten beide gleichzeitig. „Der Verein aller Vereine“, wiederholte SamiNo. „Und trotzdem ist die Eintracht der Besieger von all diesen Überschriften. Fünf von sechs Spiele gegen den Möchtegerne-Kaiser nicht verloren, Pokal aus, Titelrennen offen. Wenn das die ‚Flohkiste‘ ist, möchte ich nicht wissen, wie sich eine Rattenplage anfühlt.“ „Und die ‚Flohkiste‘ wird angeblich auf Distanz gehalten“, ergänzte JP. „Fakt: An ZAT 7 neun Punkte Abstand, jetzt drei. Wenn das ‚erfolgreich auf Distanz halten‘ ist, dann ist meine Diät von gestern Abend auch Hochleistungssport.“ SamiNo nickte. „Man sieht einfach, dass in Hamburg die Kraftreserven schwinden. Erst 5:0, dann 5:3, dann Pokal raus. Der große Kaiser steht im Moment vor allem vor einem Spiegel und redet mit sich selbst.“ JP scrollte weiter. „Apropos reden. Hör dir das hier an.“ Er las vor: „‚Das ist nun eindeutig zu weit gegangen. Wie kann Sami, der Floh es wagen, meinen Blutsbruder zu beleidigen? Das wird er bitter bereuen. Zusammen mit JP, dem Jämmerlichen Parasiten, wird er eine Flohkur bekommen, die sich gewaschen hat. Denn es gilt, den Ligakörper schädlingsfrei zu halten. In diesem Sinne: Ab in die Dusche mit euch Schmarotzern, aber zack zack!‘“ Er legte das Tablet hin und sah SamiNo ernst an. „Mon coach, ich wusste nicht, dass ich offiziell Jämmerlicher Parasit bin. Hätte ich das früher gewusst, hätte ich mir eine andere Brille geholt.“ „Immerhin bist du kein menschenfleischfressender Parasit“, sagte SamiNo trocken. „Unsere Gegner fürchten uns ja nicht...“ JP schnaubte. „Ich sag’s dir: Klein Suchti und seine Flöhe… Es wird langsam langweilig. Immer Flöhe hier, Flohkiste da, Flohkur dort. Ich hab mal seine alten Texte durchgescrollt... der Mann hat mehr Flöhe im Wortschatz als Punkte Vorsprung. Kreativ wie ein Standardtrainingsplan in der Kreisliga.“ In diesem Moment vibrierte sein Handy. Eine Nachricht in der Teamgruppe, versehen mit 27 Tränenlach-Emojis. „Oh, das musst du sehen“, murmelte JP, tippte auf den Link. TikTok öffnete sich... Ein goldenes M, dramatische Musik, Slo-Mo-Shots von Fritten. Dann Voice-Over: „Der neue McLover-Burger: saftig, dominant, mit extra viel Ego.“ Die Kamera schwenkte und da standen sie, Seite an Seite: klein Torsuchtihito und McLover, im McDonalds-Trikot, beide mit einem Burger in der Hand. Der Clip zeigte, wie Suchti genussvoll in den McLover-Burger biss, während McLover ihm verliebt zusah. „Unsere eigene Qualität sowie die Stärke unserer Gegner haben diesen Burger zum Burger aller Burger gemacht“, säuselte Torsuchtihitos Stimme aus dem Off. Am Ende des Videos drehten sich beide zueinander, legten die Burger weg und fielen sich in einer völlig überdrehten, halbkitschigen, halbschlechten Soap-Opera-Kuss-Szene um den Hals. Herzchen-Filter, Funkenregen, Jingles. Ba-da-ba-ba-baaa – ich lieb dich, Bro. JP stoppte das Video gerade noch, bevor der zweite Kuss kam. „Ich… äh… also…“ SamiNo starrte auf den Bildschirm, dann auf JP. „Sag mir bitte, dass das nicht echt ist.“ Zwei Stunden, eine Medienrecherche und ein paar hysterische Lacher im Mannschaftsbus später stand fest: Fans des HSV hatten sich einen Spaß erlaubt, das Ganze mit KI zusammengeschraubt und unter einem Fake-Account viral gehen lassen. Die Kampagne war so glaubwürdig geraten, dass sogar einige neutrale Zuschauer kurz an eine völlig entgleiste McDonalds-Strategie geglaubt hatten. „Immerhin wissen wir jetzt, was ‚Blutsbruder‘ für die beiden bedeutet“, feixte JP. „Und dass wir angeblich Schmarotzer sind, die ‚ab in die Dusche‘ sollen, während Klein Suchti und McLover im Werbespot knutschen. Den Ligakörper schädlingsfrei halten, sagt er... dabei liefert er selbst den Content für die nächsten zehn Mannschaftsbus-Fahrten.“ Trotz aller Häme blieb die Stimmung in Frankfurt geerdet. Ja, man war im DFB-Pokalfinale gegen Holstein Kiel, die Bayern rausgeworfen hatten. Ja, man war drei Punkte hinter St. Pauli, mit einem Restprogramm, das mehr nach Chance als nach Gefahr aussah. Aber während in Hamburg über „Torrausch-Deutschland, das vom Kiez regiert wird“ fabuliert wurde, redete in Frankfurt niemand vom Thron. Man sprach von Zweikämpfen, Regeneration, Rotation und gelegentlich von Burgern. „Ich sag’s mal so“, meinte SamiNo am Abend, als er mit JP noch einmal die Tabelle ansah. „Wenn ‚niemand‘ St. Pauli aufhalten kann, wie Torsuchtihito behauptet, dann sind wir wohl offiziell Niemand. Zweimal in der Liga, einmal im Pokal. Und wir sind noch nicht fertig.“ „In Frankreich“, sagte JP, „sagen wir: ‚Wenn der Kaiser achtmal tönt und sechsmal verliert, ist er Kaiser der Worte, aber nicht der Punkte.‘“ „Das sagt ihr nicht.“ „Ab heute schon.“ SamiNo ließ den Blick über die kommenden Spieltage wandern. Schalke, Bielefeld, Dresden, Leverkusen. Parallel dazu Pauli mit Kicks, die längst nicht mehr nach Spaziergang aussahen. Und irgendwo dazwischen das Pokalfinale gegen Kiel – eine letzte große Bühne, auf der man zeigen konnte, dass aus der „Flohkiste“ ein Klub geworden war, den man ernst nehmen musste. JP hob sein Glas Wasser. „Auf die Flohkiste.“ „Auf die Flohkiste“, erwiderte SamiNo. „Und darauf, dass St. Pauli dank Eintracht Frankfurt auch in dieser Saison das bleibt, was sie am besten können: das fußballerische Äquivalent zur Teilnehmerurkunde.“
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| 1346 Wörter. (Artikel wird mit 0,4 TK honoriert) | |
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| ZAT 10, SamiNo für Eintracht Frankfurt am 06.12.2025, 16:52 | |
Ab in die Dusche mit euch Schmarotzern, aber zack zack! |
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| 15 Wörter. (Artikel wird nicht honoriert) | |
Schädlingsbefall
| ZAT 10, Torsuchti für FC St. Pauli am 04.12.2025, 19:38 | |
Die Ordnung in der Welt der Bundesliga, nein, in der Welt von Torrausch, ist wieder hergestellt. Der FC St. Pauli grüßt triumphierend von oben. Die Flohkiste Eintracht Frankfurt wird währenddessen erfolgreich auf Distanz gehalten, damit dort endlich mal Ruhe im Karton ist.
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| 179 Wörter. (Artikel wird mit 0,4 TK honoriert) | |
Das Saisonende naht
| ZAT 10, Christian für SV Werder Bremen am 30.11.2025, 09:27 | |
Der SV Werder Bremen hat in den letzten drei Partien eine durchwachsene Bilanz gezeigt. Zunächst setzte sich die Mannschaft mit einem souveränen 3:0 gegen den VfL Bochum durch, was den Bremen-Fans Hoffnung auf eine stabile Form machte. Doch die darauf folgende Begegnung gegen den 1. FC Köln endete für Werder mit einer deutlichen 0:5-Niederlage. Ein bitterer Rückschlag, der die Unbeständigkeit der Bremer in dieser Saison unterstrich. In der darauffolgenden Partie konnte Werder jedoch zurückschlagen und besiegte Bayer 04 Leverkusen mit 2:0, was den guten Abschluss der letzten drei Spiele sicherte.
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| 247 Wörter. (Artikel wird mit 0,4 TK honoriert) | |
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