Der Name Wasserlasser polarisiert wie kaum ein anderer im deutschen Fußball. Für die einen ist er ein Visionär, für die anderen ein Trainer, der seine Mannschaften mit voller Geschwindigkeit gegen die Wand fahren lässt. Nun übernimmt ausgerechnet er den Bundesliga-Aufsteiger SC Freiburg – und ganz Fußball-Deutschland schaut gespannt nach Breisgau.
Denn Wasserlasser trägt eine Geschichte mit sich herum, die längst Kultstatus erreicht hat. Er schaffte mit dem FC Augsburg etwas, das eigentlich unmöglich klingt: Als amtierender deutscher Meister stieg der Verein in der darauffolgenden Saison ab.
Noch heute gilt die damalige Spielzeit als eine der verrücktesten der Bundesliga-Geschichte. Augsburg kam mit breiter Brust aus der Meistersaison, doch plötzlich lief alles aus dem Ruder. Verletzungen, interne Spannungen und ein Fußballstil, der weiterhin kompromisslos auf Offensive setzte, wurden zur tödlichen Mischung.
Wasserlassers Mannschaft spielte spektakulär – aber oft auch kopflos. Ein 4:4 hier, ein 5:3 dort, gefolgt von bitteren Niederlagen gegen direkte Konkurrenten. Augsburg schoss viele Tore, kassierte aber noch mehr. Aus dem Meister wurde innerhalb weniger Monate eine Mannschaft ohne Stabilität.
Besonders fatal war die Rückrunde. Während andere Teams im Abstiegskampf um jeden Punkt kämpften, blieb Wasserlasser seiner Linie treu. Angriff um Angriff, Risiko über Risiko. Viele bewunderten seinen Mut. Andere hielten ihn für wahnsinnig.
Am Ende stand das Unfassbare fest: Der amtierende Meister stieg ab.
Und mitten in diesem historischen Absturz stand Wasserlasser an der Seitenlinie. Laut, emotional, oft verzweifelt – aber bis zuletzt überzeugt von seiner Idee.
Nun soll er in Freiburg einen Neuanfang wagen.
Beim SC Freiburg setzt man darauf, dass Wasserlasser aus seinen Fehlern gelernt hat. Der Verein gilt als ruhig, strukturiert und geduldig – Eigenschaften, die dem impulsiven Trainer in der Vergangenheit manchmal fehlten.
In seinem ersten Interview als Freiburg-Coach zeigte sich Wasserlasser ungewöhnlich selbstkritisch.
Herr Wasserlasser, wie oft denken Sie noch an den Abstieg mit Augsburg zurück?
„Jeden Tag. So etwas vergisst du nicht. Du gehst als Meister in die Saison und denkst, du kannst die Welt erobern. Und plötzlich verlierst du die Kontrolle.“
Was war der größte Fehler?
„Vielleicht wollte ich immer noch mehr. Noch offensiver, noch mutiger. Aber Fußball bestraft dich irgendwann, wenn du das Gleichgewicht verlierst.“
Viele Fans fragen sich: Warum sollte es in Freiburg funktionieren?
„Weil ich heute ein anderer Trainer bin. Ich werde nie defensiv denken, das liegt nicht in meiner Natur. Aber ich habe verstanden, dass Kontrolle genauso wichtig ist wie Leidenschaft.“
Was ist Ihr Ziel mit Freiburg?
„Dass die Leute wieder gerne ins Stadion gehen und stolz auf ihre Mannschaft sind. Und natürlich, dass wir die Klasse halten.“
Die Freiburger Fans wissen nicht genau, was sie erwartet. Genie oder Chaos? Euphorie oder Absturz? Wahrscheinlich ein bisschen von allem.
Doch genau das macht Wasserlasser so faszinierend.
Er ist der Trainer, der als Meister abstieg. Der Mann, der scheiterte und trotzdem nie aufhörte, an seine Idee von Fußball zu glauben.
Jetzt bekommt er beim SC Freiburg die Chance auf seine vielleicht größte Wiedergutmachung.
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